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Maiforum 2017 (1): Nur wenige wissen, was passiert

Posted by Redaktion - 17. Mai 2017

Yvonne Hofstetter

Yvonne Hofstetter ist nicht nur Spezialistin für die intelligente Auswertung von Daten und Datenfusionssystemen, sie ist auch Juristin. Das ermöglicht ihr einen eigenen Blick auf die Entwicklung der Digitalisierung und die Folgen für den Rechtsstaat.

Die Digitalisierung ist unumkehrbar, gleichzeitig wissen nur wenige was passiert und wie es passiert, so Hofstetter. Während durch die erste Industrialisierung Maschinen zu Werkzeugen der Menschen wurden, ersetzen im sog. zweiten Maschinenzeitalter lernende Maschinen menschliche Arbeit. Diese Entwicklung betrifft unmittelbar die Grundrechte.

Verletzung europäischer Normen

Besonderen Wert legte Hofstetter auf die Feststellung, dass Soziale Medien und Suchmaschinen in erster Linie nicht der Information dienen, sondern Werbeplattformen sind, mit denen Geld verdient wird. Die dahinter stehenden Internetkonzerne, haben ihren Sitz allesamt in den USA.  Aus diesem Grund spiegelten die Geschäftsmodelle der Konzerne die amerikanische Verfassungsrechtslage wider, nach der staatliche Eingriffe und Restriktionen unternehmerischer Tätigkeit absolut verpönt sind. Indem Internetkonzerne in Europa genauso agierten wie in den USA, werde die Verletzung europäischer Normen, insbesondere der Grundrechte, billigend in Kauf genommen.

Soziale Medien polarisieren

Die Funktionsweise der Sozialen Medien, die dazu führt, dass jeder nur Nachrichten sucht, die seine Meinung bestätigen (sog. Filterblase ), verursacht nach Hofstetter eine Kommunikationsstörung zwischen den Menschen, welche letztlich die Ursache der zu beobachtenden Polarisierung in der Gesellschaft sei. Das zeige sich daran, dass nach Untersuchungen sich fast die Hälfte der Europäerinnen und Europäer (46%) ausschließlich in  sozialen Medien über die politische Wirklichkeit informieren.

Maschinen bewerten  Menschen  

Die Auswertung von Daten erfolgt zunehmend durch künstliche Intelligenz. Hofstetter brachte dazu ein Beispiel aus Chicago. Dort  wertete die Polizei angeblich nur behördeninterne Daten über Straftäter mit dem Ziel aus, zukünftige wahrscheinliche Straftaten zu verhindern. Rund 150 Personen,  die auf der Trefferliste aufscheinen, werden gesondert überwacht. Eine von der Zeitung „Chicago Suntimes“ veröffentliche „Watchlist“   zeigt aber, dass Daten von fast 400.000 Personen erfasst und ausgewertet wurden und 13 % der auf dieser Liste aufscheinenden „gescorten“ Personen niemals wegen strafrechtlicher Vergehen verfolgt worden waren.

Wahrscheinlichkeitsanalysen entscheiden Wahlen

Von künstlicher Intelligenz erstellte Wahrscheinlichkeitsanalysen über zukünftiges Wahlverhalten werden laut Hofstetter seit der Widerwahl Obamas in den USA flächendeckend für die Wahlwerbung verwendet. Von einem Großteil der Bevölkerung existieren persönliche Datenprofile mit bis zu 30.000 Einträgen pro Person, die über Datenbroker  gekauft werden können. Diese ermöglichen es,  persönliche Interessen und Motive von Wählerinnen und Wähler herauszufiltern.  Damit wird gezielte Wahlwerbung ermöglicht, die auf jeden einzelnen Wähler/Wählerin abgestimmt ist, ohne dass der Betroffene davon weiß.

Diesen Entwicklungen kann laut Hofstetter nur entgegengesteuert werden, wenn Internetkonzerne verpflichtet werden bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz ethische Standards und die Grundrechte  zu berücksichtigen.

 

Yvonne Hofstetter, geboren 1966 in Frankfurt am Main, ist nach einem Jurastudium seit 1999 international in Softwareunternehmen tätig. Seit 2009 ist sie Geschäftsführerin von Teramark Technologies GmbH, einem Unternehmen, das sich auf die intelligente Auswertung großer Datenmengen mit Optimierern und maschinellen Lernverfahren spezialisiert.

 

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